Erfahrungsberichte

Mein Pflegepraktikum in der Onkologie

Pflegepraktikum in der Onkologie

Das Pflegepraktikum (offiziell: Krankenpflegedienst) ist in Deutschland Teil des Medizinstudiums und Zulassungsvoraussetzung bei der Meldung für das Physikum. Es dauert in der Regel 90 Tage und muss in den Semesterferien oder vor Beginn des Studiums abgeleistet werden. Man kann die 90 Tage splitten, muss aber mindestens 30 Tage am Stück auf derselben Station arbeiten.

Florentine hat ihr Pflegepraktikum in der Onkologie absolviert und berichtet in nachfolgendem Beitrag von ihren Erfahrungen!

Mein allererstes stationäres Praktikum im Krankenhaus habe ich erst nach Beginn des Studiums begonnen – das Pflegepraktikum. In den ersten Semesterferien war ich also, neben einigen Klausuren, für 30 Tage in der Pflege einer onkologischen Station eingestellt.

Die Onkologie ist eine medizinische Wissenschaft, die sich mit der Krankheit Krebs beschäftigt. Die meisten Leuten, denen ich das erzählt habe, haben erwidert, dass sie sich ein Praktikum auf dieser Station auf keinen Fall ausgesucht hätten.

Verständlich, finde ich, denn ich habe selber im Bewerbungsgespräch gefragt, ob die Onkologie als erstes Praktikum überhaupt empfehlenswert sei. Die Frage möchte ich mit diesem Bericht jetzt selber beantworten, aber so viel vorweg: Ich würde es auf jeden Fall nochmal machen.

Mein Krankenhaus hat viel Wert darauf gelegt, die Praktikant*innen fair zu behandeln. So war schon von vornherein klar, dass ich keinen Schichtwechsel machen musste, sondern nur in der Frühschicht eingeteilt war. So sehr ich mich darüber gefreut habe, so unausgeschlafen war ich trotzdem, als ich am ersten Tag um sechs Uhr den Dienst begonnen habe.

Zu Beginn des Praktikums war auf unserer Station noch ein FSJler eingeteilt. Das war wirklich hilfreich, denn ihn konnte ich in den ersten Tagen zu allem befragen, was ich nicht wusste. Er hat mich auch in unsere Aufgaben eingewiesen, wie das Essen zu servieren, die Körperpflege und die Medikamentenausgabe. Außerdem hat er mir durch einige Botengänge gezeigt, wie das Krankenhaus aufgebaut ist. Besonders auf der Onkologie ist das wichtig, denn dadurch, dass Tumore an verschiedenen Orten im Körper entstehen können, müssen die Patient*innen der Onkologie häufig für Untersuchungen an andere Orte im Krankenhaus gebracht werden, zum Beispiel in die Gastroenterologie, in die Chirurgie oder zum Röntgen. Das war also eine unserer Hauptaufgaben, Patient*innen zu begleiten, da diese häufig keine langen Strecken mehr gehen konnten und die Wege durch das Haus nicht kannten.

Ich fand das eine schöne Aufgabe, denn die meisten Personen hatten Lust, sich auf dem Weg zu unterhalten. So habe ich auch hier einiges über die Patient*innen erfahren. Manchmal waren das lustige Anekdoten, manchmal ganz private Geschichten über die Familie und die eigene Biografie, oft, und das ist wichtig zu wissen, aber auch sehr traurige Dinge über die eigene Diagnose. Denn die meisten, die auf unserer Station waren, hatten keine gute Prognose, da sie die Chemotherapie nicht gut vertrugen. Eigentlich bekommen Patient*innen die Chemotherapie in diesem Krankenhaus nämlich nur ambulant und wohnen ansonsten zuhause, es sei denn eben, sie sind in keinem guten Allgemeinzustand.

Ich finde das deshalb wichtig zu wissen, da auf onkologischen Stationen natürlich auch über den Tod nachgedacht wird. Die Krankenhausseelsorge war jeden Tag bei den Patient*innen und hat Gespräche angeboten, in der Übergabe wurde davon gesprochen, wenn sich der Zustand einer*eines Patientin*Patienten stark verschlechterte und auch als Praktikant*in denkt man natürlich darüber nach, dass viele der Patient*innen die man länger kennen und schätzen lernt, nicht mehr sehr lange leben werden. Tatsächlich sind in meiner Zeit drei Menschen auf unserer Station verstorben. Ich erinnere mich noch gut an sie und ich glaube, ich werde sie auch nicht mehr vergessen.

Hier war ich sehr beeindruckt von den Pfleger*innen im Team. Todesfälle wurden immer sehr respektvoll und professionell behandelt, Angehörige wurden sofort und empathisch informiert und mehrmals wurde auch mir angeboten, über einen Todesfall zu sprechen. Trotzdem ging es dann natürlich schnell wieder über in den normalen Alltag, der in einem Krankenhaus nie anhält. Diese Balance fand ich beeindruckend und hoffe, ich konnte sie mir ein wenig abgucken. Denn in jedem medizinischen Beruf wird man sich mit dem Tod auseinandersetzen müssen und ich glaube, am Ende geht das auch leichter als man denkt – besonders wenn es einem so vorgelebt wird. Deshalb kann ich ein Praktikum in der Onkologie von ganzem Herzen weiterempfehlen. Man sollte sich vorher natürlich überlegen, was einen erwartet und ob man damit aktuell gut umgehen kann – wenn nicht, ist ist das natürlich auch vollkommen in Ordnung.

Autorin: Florentine, Medizinstudentin

Kleiner Tipp für die Auswahl deines Pflegepraktikums:
Vor der Auswahl der Station sollte man am besten beim Landesprüfungsamt des eigenen Bundeslandes nachschauen, welche Stationen in Frage kommen. Denn bei der Ankerkennung des Krankenpflegepraktikums gibt es regionale Unterschiede: Liste der Landesprüfungsämter

Auch auf den Seiten der Universitäten finden sich häufig Informationen zur Anerkennung des Krankenpflegepraktikums, wie z.B. auf der Website der Universität in Köln (Landesprüfungsamt NRW).

Allgemeine Infos zum Thema Pflegepraktikum findest du auch hier: www.thieme.de oder  in der Approbationsordnung für Ärzte unter §6.

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